100 Jahre jung: Die Marienkirche Rabber

Ort von Abendmahl, Gebet und Segen: Der Altar der Marienkirche

In der Kirche wird der Blick ganz automatisch vom Chorraum angezogen und hier besonders vom Altar in der Mitte. Das Ensemble ist durch eine Altarstufe erhöht, bis in die 80er Jahre waren es zwei.

Der Altaraufsatz ist aus der alten Marienkapelle übernommen, was man sehr schön mit Seite 8 vergleichen kann. Selbstverständlich ist er aufgearbeitet, verändert und ergänzt worden. Die Figurengruppe oberhalb ist jetzt im ehemaligen Konfirmandensaal, das Altarbild ist ausgetauscht worden, weil es wohl nicht mehr ansehnlich war. Neu dazu gekommen sind Wangen und eine Bekrönung im neobarocken Stil. Die beiden auf dem Foto zu sehenden Kerzenleuchter sind noch im Pfarrarchiv vorhanden. Der originale Altaraufsatz stammt aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts und besitzt die typische Fassadengliederung aus der Renaissance mit geschäfteten Säulen auf quadratischen Postamenten, Volutenkapitell, Frieszone mit Zahnschnitt, einfach abgetreppter Giebel mit Voluten und Obelisken.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Das große Altarbild zeigt eine Abendmahlszene, das kleinere  holzgeschnitzte Bild darüber die Himmelfahrt Jesu.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Auch die Chorschranken zeigen durch wuchtige durchdrungene Schnitzereien und ihren Puttenköpfen ihre Neigung zu historischem Ornament.

In der frühesten Christenheit war der Altar ein schlichter tragbarer Tisch, allerdings von Anfang an mit einem weißen Leinentuch versehen, um darauf Brot und Wein darzubringen, noch heute spricht man vom Altartisch. Auf diesem Tisch finden sich Agende und Bibel, Kreuz und Kerzenleuchter, zu den Gottesdiensten auch Blumen. Waren Kerzen zunächst für die Beleuchtung notwendig, stehen sie heute für Würde und Festlichkeit. Sie stehen symbolisch für Jesus Christus, der sich verzehrt als Licht der Welt. Die spezielle Osterkerze leuchtet zwischen Ostern und Christi Himmelfahrt, zu Taufen und zum Abendmahl das ganze Jahr über.

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“ (Psalm 119, 105)

Jahrzehnte war es üblich, das Abendmahl an den  Altarschranken zu empfangen. Eine kleine Gruppe von bis zu sechs Gläubigen erhielt zunächst auf der linken Seite das Brot gereicht, ging um den Altar herum, brachte auf der rechten Seite eine Spende in einem bereitgestellten Körbchen dar und empfing an der rechten Seite den Kelch und den Segen. Heute feiern wir in der Regel das Abendmahl in einem Halbkreis um den Altar, gelegentlich bei kleineren Abendmahlsfeiern auch in einer größeren Runde, damit alle gemeinsam zur selben Zeit am Abendmahl teilnehmen können. Gelegentlich wird das Abendmahl aus besonderem Anlass auch an den Chorraumstufen ausgeteilt, damit das mühsame oder manchem unmögliche Überwinden der Stufen unterbleiben kann.

Neben Abendmahl und Gebet ist der Altar auch der Ort des Segnens. Tauffamilien, Eltern, Konfirmanden und Ehepaare knien an der Altarstufe nieder, während für sie gebetet wird und der Pastor/die Pastorin ihnen die Hände segnend auflegt. Auch zur Ordination oder zur Amtseinführung knien Pastoren am Altar nieder.

Mit Parament bezeichnet man in der katholischen Kirche jegliche Form von Textilien im Altarraum, in vielen evangelischen Kirchen ist es nur ein anderer Begriff für die farbigen Tücher vor Altar, Lesepult und Kanzel. Mit  Antependium, lat.: ante (vor) und pendere (hängen), wird also das Tuch bezeichnet, das vor dem Altar hängt. Bekannt sind diese Tücher seid dem 4. Jahrhundert, oft reich verziert, gewebt oder bestickt. Die Paramente sind in liturgischen Farben gehalten, die dem Anlass und der Kirchenjahreszeit entsprechen.

Der Altar ist von einem vollständig bemalten Gewölbe umgeben, dessen Mitte, oberhalb des Altares, ein Kreuz ziert (Foto Seite 18) Die gegenstandslosen Ornamente sind in den Farben ocker, grau, rotbraun und grün gehalten.